Kriegshafen Pola - Die Speerspitze Österreichs

Ja, so ein Winter kann schon lang sein.

Fast wähnt man sich in den schneeverwehten Weiten Finnlands, oder Nordschwedens, während der Wind eines heraufziehenden neuen Jahres seine Eiskristalle an das heimische Fenster bläst. Es dämmert am frühen Nachmittag, ist dunkel um 5.

Und fast möchte man trotz der eisigen Melancholie erleichtert Aufatmen, könnte man es doch viel schlimmer erwischen, eben dort, im fernen Norden Skandinaviens, wo es um diese Jahreszeit mehrere Wochen gar nicht hell werden mag.

Ich greife zum Weinglas. Verbrüderung mit den trinkfesten Bewohnern dort oben.

Ist ja auch kein Wunder. Es fehlen Sonne, Wärme und oftmals das Meer.


Die karge Hand des Winters im Triestiner Karst.
Die karge Hand des Winters im Triestiner Karst.

Zumindest dem Verlangen nach Meer, kann recht zügig Abhilfe verschafft werden.

Die Adria liegt, wenigstens von den uns umgebenden Bergspitzen aus, fast in Sichtweite.

Kurze Zeit später fährt man auf einer leer gefegten Autobahn gen Süden. Wo sich sonst Massen von Sonnenhungrigen an die Obere Adria wälzen, walzen gerade eben nur die breiten General Grabber AT´s dahin. Ihr herzerwärmendes Singsang bei 130 Stundenkilometer, lullt den Fahrer in ein wonniges Bett aus fröhlicher Erwartung.

Die Südspitze Istriens soll es heute werden. Die Hafenstadt Pula, oder eben "Pola", wie man früher in Italien und Österreich gerne sagte.

Zuerst aber noch schnell über den Triestiner Karst, mit seinen einsamen Straßen und tiefen Höhlen, Spalten und Löchern, in denen seit Jahrhunderten Menschen verschwinden, sei es gewollt, oder ungewollt.

Blut tränkt den Landstrich zwischen Isonzo und Adria schon seit vielen Zeitaltern.

Doch nie war es ärger, als in den ersten viereinhalb Dekaden des 20. Jahrhunderts.


Ankunft in Pola - Vor den verschlossenen Türen des Fort Punta Christo.
Ankunft in Pola - Vor den verschlossenen Türen des Fort Punta Christo.

Dabei fing doch alles recht vielversprechend an.

Nicht zuletzt aus österreichischer Sicht.

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts lag der kleine Fischerort Pola im Herrschaftsbereich der Republik Venedig, doch diese litt schon länger unter massiven Auflösungserscheinungen, und endigte ihr Dasein an der Schwelle zur Moderne. 

Man schrieb das Jahr 1797, als der venezianische Statthalter von den Habsburgern beerbt wurde, und so fanden sich die knapp 900 Anwohner der lieblichen Bucht, mit ihrer reichen geschichtlichen Vergangenheit, wieder einmal unter einer neuen Krone ein.

Es mag ihnen am Ende wohl gleich gewesen sein, ob diese nun aus Byzanz, Venedig oder Wien her regierte.


Teil der massiven Wehranlage von Punta Christo.
Teil der massiven Wehranlage von Punta Christo.
Einer der sogenannten "Martello"-Türme. Geschütztürme mit einem Durchmesser jenseits der 10 Meter.
Einer der sogenannten "Martello"-Türme. Geschütztürme mit einem Durchmesser jenseits der 10 Meter.

Unter diesen Vorzeichen war Venedig als Kriegshafen der österreichischen Marine nicht mehr länger tragbar, und so zerbrach man sich in Wien recht bald die Köpfe, welcher Flecken der Monarchie, wohl der geeignetste wäre, die Vielzahl an Schiffen und vor allem Personal, sowie, ganz wienerisch, die überbordende Verwaltung, unterbringen zu können. 

"Triest!", hörte man alsbald in den langen Gängen am Hof rufen, "Pola!" riefen stattdessen Kaiser Franz Josef der Erste, sowie Erzherzog Ferdinand Max, die aus persönlicher Erfahrung, um die besonders geschützte Lage der Bucht von Pola wussten.

Außerdem war Triest damals schon als hervorragend geführter Handelshafen ausgebaut, und eine bauliche Veränderung im offen daliegenden Golf von Triest, um das geplante Seearsenal vernünftig schützen zu können, hätte wohl alle damaligen Mittel gesprengt.


Grabenanlage der Festung Punta Christo.
Grabenanlage der Festung Punta Christo.
Die Ausmaße überraschen selbst heute noch.
Die Ausmaße überraschen selbst heute noch.

So hielt der riesige Marinetross also in Pola Einzug, und das geruhsame Fischerörtchen, mit seinen römischen und byzantinischen Bauten, wuchs in den kommenden Jahrzehnten zu einer pulsierenden Hafenstadt heran.

Sie krönte, dank ihrer vielen neu errichteten Gebäude, unter ihnen eine Werft, eine Marinekaserne, ein Kasino, ein Marinespital, eine Garnisonskirche, das hydrographisches Amt samt Sternwarte, die Bibliothek, eine Infanteriekaserne, der Bahnhof, Schulen, Hotels, und vieles mehr, das nun österreichische Schmuckkästchen Istrien, und wurde neben Abbazia am Kvarner, und Triest an der oberen Adria, zu einem der großen Tummelplätze der Wiener Prominenz.

Doch die viele Infrastruktur wollte geschützt werden, und so bauten die Strategen der kaiserlichen Regierung auch einen Schutzwall aus Küstenforts und Batterien um den tiefen Naturhafen der Stadt. 

Das Fort Punta Christo, die Festungen Muzil, Grosso und Munida zählen zu den bekanntesten unter ihnen. 

Zusammen mit anderen Schutzvorrichtungen, sollten sie den Eingang der Bucht, den Kanal von Fazana, und damit das dahinter liegende Pola, mit seinen nun schon fast 60.000 Einwohnern, vor angreifenden Flottenverbänden schützen.



Der Winter ist bei unserer Ankunft auf dem Kap Prostina, südlich des Örtchens Stinjan, wie weggeblasen.

Vergeben und vergessen sind die garstigen Minusgrade der Heimat. Schneeverwehungen, Eiszapfen und feuchtkalter Matsch, scheinen einem bösen Märchen des Nordens entsprungen.

Man öffnet die Tür, und die Temperatur liegt bei lieblichen 10 Graden im Plusbereich. Es duftet nach Myrthensträuchern, und dem nahen Meer. Warum lebt man nochmal da, wo man lebt? 

Die schweren Eisentore der Festung Punta Christo sind verschlossen.

Wir beginnen unseren Rundgang, und sind erst mal von der schieren Größe des Komplexes überrascht. Das Polygonal angelegte Fort, nimmt fast die gesamte Südspitze der Halbinsel ein. Ein kurzer Check der Geschichte offenbart folgendes:

Gebaut in vier Phasen zwischen 1836 - 1883, ist die Festung Punta Christo, die größte jemals vom österreichischen Kaiserhaus erbaute Küstenbefestigungsanlage. Im gesamten, misst das Werk, inkl. aller Flügel und der Wehrgräben fast 300 Meter in der Länge, sowie über 90 Meter in der Breite. Auf den dicken Martello-Wehrtürmen, saßen ehemals Panzerhauben mit 28 cm Geschütz-Kanonen, und über 270 Räume durchziehen das gesamte Areal. 

Etwas eingeschüchtert, ob der Größe des Bollwerks, beginnen wir mit einer Umrundung. 

Sagenhaft tiefe Wehrgräben umgeben die ganze Anlage. Ihr Inneres würde machen Fluss spielend fassen, und ein Abstieg in die Tiefe, der mit Kalksteinmauern eingefassten Ungetüme, ist selbst heute noch nicht möglich.

Mühsam durchpflügen wir das Immergrün. Aber selbst nach fast einer Stunde des Suchens, bleibt uns ein Einstieg in die Festung verwehrt. Ein wenig mürrisch geben wir auf. Zu gerne wären wir in das Innere der Festung vorgestoßen, doch die Stadtverwaltung von Pula macht einen gründlichen Job.

Jedes Tor versperrt. Jedes Türchen verschlossen. Jedes noch so kleine Loch zugemauert.

Die heutige Nutzung der ehemals stolzen Festung, macht es wohl notwendig. 

Punta Christo gibt in diesen Tagen den aufgeschlossenen Veranstaltungsort für allerlei Veranstaltungen von Rang und Namen. 

Darunter die "Outlook" und "Dimensions" - Festivals für Electronic Music, und das große "Seasplash" Reggae-Festival.


Küstenfestung Monte Grosso - Blick vom Geschützturm
Küstenfestung Monte Grosso - Blick vom Geschützturm

Durch dichte Kiefernwälder, mit schmalen Verbindungswegen, dringen wir tiefer in den Schutzwall des Kriegshafens Pola ein.

Die Küstenfestung Monte Grosso, ist unser nächstes Ziel.

Wie auch Punta Christo, und das benachbarte Munide-Fort, wird das Werk Monte Grosso vom EU-Programm "Adrifort", einem Projekt zur überregionalen Zusammenarbeit, und dem Erhalt der natürlichen und kulturellen Ressourcen, vor dem Verfall bewahrt. 

Man sieht es an allerhand neuen Treppen, Beobachtungsplattformen, und Stützbauwerken. 

Zwar mindert dies den Abenteuerfaktor, aber der Erhalt der Bauten, mitsamt ihrer reichen geschichtlichen Vergangenheit, ist ein wertvoller Beitrag, zur kollektiven Erinnerung.


Erhaltungsarbeiten durch das EU-Projekt "Adrifort".
Erhaltungsarbeiten durch das EU-Projekt "Adrifort".
Der Zahn der Zeit.
Der Zahn der Zeit.

Monte Grosso ist bei näherer Betrachtung leider nur noch eine Ruine. 

Zwar bemühen sich die Betreiber des Projektes, das k&k Fort am Leben zu erhalten, doch die Witterung, und vor allem Bombardierungen, durch alliierte Truppen, zu Ende des 2. Weltkriegs, haben viel von der ehemaligen Substanz, der 45 Meter messenden, und hufeiseinförmig angelegten Festung, weggefressen.

Wir steigen auf den, auch hier aufgemauerten, Martello-Turm, und blicken in die Umgebung.


Reste einer Artilleriestellung.
Reste einer Artilleriestellung.

Die Aussicht ist überschaubar.

Im Gebüsch hinter der Festung modern die Reste einer Artilleriestellung dahin. 

Der Blick geht nach Süden, zur Zonchi Bucht, und den alten Anlegern der Kriegsmarine. 

Schießen konnte man von hier oben offenbar gut, denn Monte Grosso liegt auf einer Anhöhe, aber durch die schiere Größe des naheliegenden Fort Punta Christo, wurde das Werk zum Beschützer und Beobachtungsposten seines großen Bruders degradiert. Die Heeresleitung lies Monte Grosso als Lager und Kaserne für die stationierten Truppen benutzen. 

Nicht mehr, und nicht weniger.


Im Bauch von Monte Grosso.
Im Bauch von Monte Grosso.
Treppe im Martello-Turm.
Treppe im Martello-Turm.

Durch ein wenig fachmännisch verschlossenes Loch, schlüpfen wir noch kurz in das Innere von Monte Grosso. 

Stumpfes Winterlicht fällt in den feuchten Keller des Wehrturmes. Zu sehen gibt es nicht viel, denn ein großer Teil des Untergeschosses ist verschüttet. Nur die steinerne Treppe zur Spitze des Turmes ist noch in bestem Zustand. Bei genauer Betrachtung können wir noch die Marken ihrer Bearbeitung erkennen. 

Solch kleine Spuren menschlichen Tun´s sind es, die Geschichte lebendig werden lassen. 

Kurz halten wir inne, und stellen uns die genagelten Stiefel der Soldaten vor, welche vor nicht einmal 2 Menschenaltern, die Oberfläche dieser Steine berührt haben.

Es ist noch nicht viel Zeit des Friedens vergangen.


Innenhof der Festung Munide.
Innenhof der Festung Munide.

Bevor wir uns der Halbinsel Monumenti, der Katharineninsel, sowie ihrer Geschichte zuwenden, machen wir noch einen Abstecher zur versteckt liegenden Festung Munide. 

Munide genießt unter den umliegenden Werken des Kriegshafens Pola eine Sonderstellung, weil sie als vollkommen geschlossene Rundfestung errichtet wurde. Die "Pola-Turm" genannte Bauweise, wurde nur in der relativ geringen Zeit zwischen 1852 und 1856 verwendet, und stellte sich bereits bei Ausbruch des 1. Weltkrieges als veraltet heraus.

Heute liegt Munide vollkommen überwuchert in den Klammern von Schwarzkiefern und Efeu.

Gespenstisch still ist es bei unserer Ankunft. Kein Vogel zwitschert, kein Lüftchen weht. 


Durchgang in die Festung Munide.
Durchgang in die Festung Munide.

Das Innere von Munide macht es dem Entdecker schwer.

Brusthohes Gestrüpp, und provisorische Vergitterungen der meisten Öffnungen, wehren einer Erkundung. Auch bemerkt man schnell die massive Einsturzgefährdung mancher Bauteile. Vorsichtig schleichen wir wieder nach draußen. 

An der rechten Außenseite gehen einige Stufen in den Erdboden.

Ein Wasserschloss ist es, die dazugehörige Zisterne in etwa acht Meter tief. 

Rostige Tritte führen in den Abgrund, und gespannter Eroberungsgeist flammt auf.


Eingang zum Wasserschloss von Munide.
Eingang zum Wasserschloss von Munide.
Katakomben unter Munide. Das Tunnelende wird sichtbar.
Katakomben unter Munide. Das Tunnelende wird sichtbar.

Der tiefe Schlund ist trocken, wir schalten die mitgebrachten Lampen ein. Ein dunkler Gang führt von der Südseite der Zisterne in den Untergrund, und Schritt für Schritt geleitet er uns in die verlassenen Katakomben von Munide.

Zuerst eine kleine Biegung, und noch eine. Dicker weißer Staub knistert unter dem Schuhwerk. 

Dann fällt der Lichtstrahl plötzlich in´s Leere.

Ein Gang entrollt sich vor unseren Augen, und sein Ende ist trotz starkem Lichtkegel, nicht in Sicht. 

Man erkennt Halterungen und Aufnahmen für Wasserrohre. Vereinzelt huschen Fledermäuse mit schrillem Gezirp über unsere Köpfe.

Wir folgen dem schwarzen Schlund etwa 150 Meter weit. Dann ist durch einen Einsturz plötzlich Schicht im Schacht.

Schade eigentlich. Hätte doch so gut begonnen.

Also wieder raus in den warmen kroatischen Wintertag. 

Es steht ja noch Großes an.


Monumenti mit seinen Gebäuden der jugoslawischen Marine.
Monumenti mit seinen Gebäuden der jugoslawischen Marine.

Durch Stacheldraht, und ein gähnend offen stehendes Gittertor, betreten wir die Halbinsel Monumenti, welche wie ein ausgestreckter Daumen, in die Bucht von Pula hinausragt.

Irgendwo bellt ein Hund einen nervösen Tenor, ein alter Fischer spaziert über das ehemalige Kasernengelände. 

Sofort fällt einem der massive Militärkomplex, welcher aus mehreren Gebäuden besteht, die einen weitläufigen Innenhof bilden, in´s Auge. Hier exerzierte und marschierte man in der Vergangenheit wohl gut und gerne.

Unsere erste Vermutung, dass es sich hierbei um Gebäude der k&k Marine handelt, wird alsbald widerlegt. 

Zwar gab es auf Momumenti zu Zeiten der österreichischen Herrschaft eine Kaserne, diese wurde aber später von der südslawischen, bzw. jugoslawischen Armee überbaut und erweitert.


Tito´s Baustil.
Tito´s Baustil.
Der große Innenhof auf Monumenti.
Der große Innenhof auf Monumenti.

Die Geschichte Monumenti´s, und der durch eine Brücke mit ihr verbundenen Insel Sankt Katharina, ist eine reiche.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, also bereits lange nach dem Ausbau der Bucht von Pola zur Speerspitze Österreichs, errichtete das k&k Seefliegerkorps eine erste Kommandostation, welche wenig später auf die naheliegende Katharineninsel ausgeweitet wurde.

Es entstanden erste Versuchsanlagen für den militärischen Flugbootbau, welche schon bald, durch ein in seinem Umfang westentlich größeres Seefliegerarsenal, mit anschließendem Motorenwerk, Montage-, und Prüfeinrichtungen sowie weiteren Bauten für Personal und Technik, ergänzt wurden. 

Dies ist umso interessanter, da nur wenige Menschen überhaupt davon wissen, dass in Österreich bereits vor dem 1. Weltkrieg mit technisch schon recht ausgereiften Flugbooten ausländischer Produktion experimentiert wurde.


Die Insel Sankt Katharina mit Teilen der ehemaligen Flugzeugwerft, von Monumenti aus gesehen.
Die Insel Sankt Katharina mit Teilen der ehemaligen Flugzeugwerft, von Monumenti aus gesehen.

Doch nicht nur aus dem Ausland zugekaufte Flugboote wurden auf Sankt Katharina genutzt, nein, ab 1913 bauten die Ingenieure der Donaustädter Lohner Werke, auch eigene Flugboote namens "Typ E", welche in geringer Stückzahl auch in den Werkshallen von Pola montiert wurden. 

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges, dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie, und einem weiteren Weltkrieg, beanspruchte ab Mitte der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts die jugoslawische Marine die Anlagen, errichtete weitere Kasernengebäude auf Monumenti, und nutzte sie unter anderem als Marineschule, sowie zur Ausbildung jugoslawischer Kampftaucher.


Eingangsbereich der Marineschule.
Eingangsbereich der Marineschule.
Verfall.
Verfall.
Stairway to decay.
Stairway to decay.

Still streichen wir durch die verfallenden Gebäude. 

Ihr Innenleben wurde schon lange vernichtet. Was nicht durch Beton und massive Sockel fixiert wurde, eilig davongetragen. 

Wir finden leere Klassenzimmer und Sanitärräume. Eine riesige Halle mit im Boden eingelassenen Schienen und großem Flaschenzug, sowie eine leerstehende Großküche samt Mensa. 

Kühle Meeresluft pfeift durch die unzähligen Gänge.

Durch verrottende Treppenhäuser schlagen wir uns bis unter das Dachgebälk durch. Erstaunlich trocken und gut erhalten, sieht es hier oben aus. Keine Spuren von Schmutz, Wasser oder zerbrochenen Dachziegeln.

Wir inspizieren jede Ecke.

Jemand scheint hier oben stets nach dem Rechten zu sehen.


Aus der Zeit gefallen.
Aus der Zeit gefallen.

Am Weg nach unten, und durch den Rest der Gebäude bemerken wir neu angebrachte Statik-Markierungen.

Ein Blick in das allwissend scheinende Netz, offenbart uns die zukünftigen Pläne der Stadt Pula, mit diesem geschichtsträchtigen Boden.

Man plant, wie es heutzutage am Mittelmeer anscheinend modern geworden ist, eine große Marina mit angeschlossenen Luxushotel-, und Appartementanlagen. 

Hier sollen sich demnächst die Schönen und Reichen der Welt samt ihren Jachten, Sonnenbrillen und rosaroten Polohemden mit aufgestellten Krägen tummeln. Aus Sicht der Stadtverwaltung, und potenziell kaufkräftiger Investoren, keine so schlechte Idee. 

Aus geschichtlicher Sicht, ausbaufähig.


Vergangenheit und Gegenwart.
Vergangenheit und Gegenwart.

Die Ironie der Geschichte wollte es, dass im ach so fortifizierten österreichischen Kriegshafen Pola nie gekämpft wurde. 

Weder Punta Christo, noch Monte Grosso und Munide, gaben jemals einen Schuss zu Kriegszwecken von ihren wehrhaften Martello-Türmen ab. 

Ende 1918 wurde die gesamte Speerspitze Österreichs, samt seiner stationierten k&k Kriegsflotte auf Anordnung Kaiser Karl des Ersten, kampflos und freiwillig, an den neu gegründeten Staat der Serben, Kroaten und Slowenen übergeben. 

Österreich verlor seinen Anteil an der Adriaküste, und somit seine Häfen in Triest und Pola. 

Während man sich in Wien noch die blutenden Wunden leckte, stand bereits Italien kampfbereit in den Startlöchern, und so waren es die Italiener, welche keine weitere Seemacht außer ihrer an der Adria zulassen wollten, die am Ende doch noch für ein kleines Feuerwerk vor den Toren von Pula sorgten.

In den Morgenstunden des 1. November 1918 brachten die italienischen Kampfschwimmer Raffaele Rossetti und Raffaele Paolucci, mittels eines umgebauten Torpedos, einen Sprengsatz am Rumpf des österreichischen Schlachtkreuzers "SMS Viribus Unitis" an, und versenkten den Stolz der nicht mehr existierenden österreichischen Kriegsmarine in den Fluten vor dem Kap Kamenjak.

 

Kriege lass andere führen, TU FELIX AUSTRIA, heirate!

Wären wir nur bei unseren Leisten geblieben.


Lagerplatz am Kap Kamenjak. Mit Ausblick auf Geschichte.
Lagerplatz am Kap Kamenjak. Mit Ausblick auf Geschichte.